EINBUCH-Schreibtisch
Hallo und willkommen an unserem Schreibtisch.
Es wird Zeit, eine neue Geschichte in Angriff zu nehmen. Niemand weiß, was damit geschehen wird, wie sie sich entwickelt.
Schreibe in das Textfeld unter dem Text und führe so die Geschichte fort.
Viel Spaß beim Schreiben!
“Tage werden kürzer, Nächte länger, es wird kühler und kaum jemand geht noch ohne Jacke aus dem Haus. Zudem nieselt es. Es ist Montagmorgen und tausende Autos klatschen auf dieser Straße durch die Pfützen. Da oben, durch all das Nass, ist ein Stück Sonne zu sehen.
Sollte das wirklich mein erster verdammter Arbeitstag in dieser langen Woche, den ganzen langen noch folgenden Wochen, dieses Herbstes und des nicht zu vergessenden Winters sein? Sollte ich mich etwa auf Weihnachten freuen?
Und schon war ich nass! Einer dieser blöden Taxifahrer hatte wohl den Herbst mit seinen Freuden gar nicht erwarten können.
Er sprang diensteifrig aus dem Wagen, wollte mir unbedingt die Tasche in den Kofferraum heben und begann schon jetzt unablässig auf mich einzureden. Ich setzte mich wie immer nach hinten, versuchte ein wenig die Nässe vom Jacket zu bekommen, nuschelte mein Ziel. Trotz einer bitterbösen, verschlossenen Miene wußte ich nach den 10 Minuten Fahrt alles: Warum Schalke diesmal auf jeden Fall Meister wird, wer tatsächlich die Finazkrise verursacht hat und natürlich auch dass die Klimaerwärmung sowie so zur kompletten Versteppung des Reviers führen wird. Wie gesagt, draußen regenet es in Strömen. Die Quittung mit einer Hand zu falten und in der Brusttasche verschwinden zu lassen ist Ergebnis jahrelanger Übung. Das “Schönen Tag noch” ging in der Bewertung aller nennenswerten Weltreligionen unter und ich konnte nun fast froh die paar Stockewerte im zügigen Schritt nehmen. Oben angekommen war die Etagentür nur angelehnt und hektische Stimmen drangen aus einem Besprechungsraum bis auf den Flur.
Schlechte Zeiten fördern Panik allenthalben und zu jeder Stunde, an jedem Tag in der Woche, mittlerweile auch an Wochenenden. Ich kann nicht sagen, nein das kann ich nicht, dass es in guten Zeiten anders wäre. Ein bisschen leiser möglicherweise und auf gewöhnliche Dienstzeiten beschränkt, Panik allerdings war dort immer. Ich konnte sie fühlen.
Auch konnte ich fühlen, wie sehr mich die hektischen Stimmen herbeisehnten- in Besprechungsraum 3. Doch war ich nass und hatte obendrein nicht das geringste Bedürfins, für irgendwen der Blitzableiter zu sein. Also bitte, das nich am Morgen! Darum ging ich geradewegs zu meinem Büro.
Tür auf, erstmal setzen. Viel weiter kam ich nicht. Auf der Tastatur lag ein riesen Ding von Zettel “Krisensitzung in der 3″ und dann noch als letztes “hast DU..” Das DU war richtig fett. “..am Freitag etwa das Update gefahren ???”. Hatte ich nicht. Zum Glück. Also bewegte ich mich doch in die 3. Dort war das blanke Chaos ausgebrochen. Ganz kurz wollte ich noch ein Blick auf’s Whiteboard riskieren. Oh, oh dachte ich..wenn das mal kein Crash war..irgendwie versuchte ich mir ein Reim auf die Zeichnungen zu machen und da wurde es schlagartig still.ICH stand plötzlich alleine vor dem Board und hinter mir hatte sich ein Halbkreis gebildet.
“Ja dann machen Sie mal, Herr Meinemann! Wir sind ganz Ohr”, hörte ich die Stimme sagen, die ich nichts zu sagen hören gewollt hatte.
Verdammt, der Alte versteht es wirklich, einen richtig dumm aussehen zu lassen und dabei obendrein von seinen eigenen Fehlern abzulenken. Ich hatte keine Ahnung, was da auf dem Board ich sehen, oder gar erklären sollte.
Vielleicht sollte ich hier mal sagen, dass weder Striche, Buchstaben oder auch nur Zahlen mein Gebiet sind. Das interessiert mich nicht! Meine Welt sind die Menschen, Psychologie oder so ähnlich, Manipulation.
Aber, warum sollte ich nicht auch meine eigenen Leute ein wenig manipulieren können? Es würde mir was einfallen.
“Ist doch klar”, begann ich- verdammt, desswegen ging es mir keineswegs gut.
“Das, was wir hier sehen ist ein bedauerlicher Crash !” wieder so ein Psychoquatsch. Klar der Server war einfach zusammengebrochen. Die hatten das Sonderangebot doch übers Wochenende geschaltet und natürlich hatten Tonnen von Nutzen das System belatscht. Jetzt war nur die Frage wie groß der Schaden ist und vorallem was tatsächlich noch so los war. Leider gab es da verschiedene unangenehme Varianten. Also machte ich ein fragens, fast flehendes Gesicht und begann langsam und stockend: “Ich ..könnte..mir vorstellen..” Auch das klappte. Der Alte (seines Zeichens Hauptabteilungsleiter Vertrieb) unterbrach mich sofort. “Herr Meinemann, Sie müssen sich hier nichts vorstellen. Wir hatten ja Zeit genug zu analysieren..” Kleiner Seitenhieb darauf, dass ich erst jetzt hier war.”..Ab Mittag konnten kaum noch Bestellungen abgegeben werden und seit heute Morgen stehen die Telefone nicht still. Es sieht so aus, als ob kaum einer dass erhalten wird, was er bestellt..” ..und da hob sich die Stimme “.. und bezahlt hat.”
Eindeutig, das war mein Einsatz.
“Chef”, ich war ganz cool. “Sie haben doch nicht etwa etwas bestellt?”
“Was soll dann das?” Der Alte war verduzt.
Ich hatte ihn.
“Oder jemand aus Ihrer Familie.”
“Ja. Nein, natürlich nicht. Bestellen Sie etwa Produkte unserer Firma? Sie wissen doch was das ist.”
“Eben”, sagte ich. “Was kann uns denn besseres passieren? Da rufen dreisig, vierzig Leute an und sind unzufrieden. Den können wir schnell helfen. Alles andere ist doch Promotion auf höchstem Niveau.”
“Herr Meinemann, was soll denn das?”
Er war nicht laut, ich hatte ihn. Zumindest war dieser Tag für mich einigermaßen gerettet.
“Wir sind in aller Munde, Chef”, das war ja auch so. “Und es kostet uns nicht einen Cent.”
“Meinemann, du hast Mist gebaut. Gib das doch zu!”
Klar, den Chef hatte ich, aber die Schnitte hatte ich vergessen. Schnitte heißt eigentlich Schnittmaier und war mehr als einmal mit mir im Bett. Sie hat die schönsten Brüste im ganzen Betrieb. Ich hatte sie gestern versetzt- keinen Bock auf Schnitte.
..Mooo ment.
Schnitte hin, Schnitte her. Schnitte ist eine Episode. Irgendwann hatte Meinemann begonnen, sein Leben zumindestens in den Erinnerungen zu systematisieren. Da gab es “Schlüsselerlebnisse”, “Episoden” und “Szenen”. Mit dieser Methode brachte er zwar die Gegenwart nicht in geordnete Bahnen, aber immerhin wurde die Vergangenheit weniger aufgeregt und die Nächte, in denen einfach kein Schlaf kommen wollte, nahmen ab.
Der Alte begann sich gerade mit dem Gedanken der Werbewirksamkeit
des Crashs anzufreunden. In den nächsten Tagen müßte die Datenbank aufgeräumt werden und zumindest die, die offentsichtlich schlecht weg gekommen waren entschädigt werden. Mit ein bischen Glück dürften diese Ausgleiche bei weitem nicht an die Kosten einer Werbekampange heranreichen.
Nun galt es die Wogen zu glätten. “Mensch Gabi, klar ist Mist was passiert ist, aber laß uns einfach das beste daraus machen. Komm doch gleich mal rüber zu mir”.
Der Alte nahm diese Wendung des Geschehens wohlwollend zur Kenntnis.
Hallo. Da unten, da kannst Du weiterschreiben.
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